ATT – Datenschutz für Apple Kunden?

Viele Menschen kennen das Phänomen, dass ihnen Werbung angezeigt wird die zufällig zu ihren Interessen oder zu kürzlich gegoogelten Themen passen. So hat man erst gestern mehrere Videos auf YouTube über ein Produkt angesehen und schon morgen sieht man überall die dem entsprechende Werbung. Dies ist kein zufälliges Phänomen sondern eine gezielte Werbestrategie von Konzernen. Apps besitzen viel mehr Daten von ihren Nutzern als den Nutzern bewusst ist. So wissen sie viel mehr Informationen als über die Nutzung ihrer App hinaus. Genau deswegen möchte Apple ein neues Bewusstsein erschaffen, um personalisierte Werbung zu minimieren und mehr Datenschutz zu garantieren. Dies möchte Apple mit ATT durch sein neues iOS Update erreichen.

Was ist ATT und was hat sich geändert?

Mit dem neuen iOS 14.5 wurde die sogenannte Apple Tracking Transparency (ATT) eingeführt. Beim Tracking werden Daten angesammelt um ein Profil über den Nutzer zu erstellen. Diese Daten beinhalten das mögliche Alter, Geschlecht, Interessen, Kaufverhalten des Nutzers und das Nutzungsverhalten der App. Anschließend werden diese Informationen verkauft, von Konzernen wie Google oder Facebook, an Unternehmen, um gezielt Werbung zu schalten, die auf den Nutzer angepasst sind. Durch diese Strategie wurde Tracking zu einem Milliardenmarkt. Apple möchte nun seine Nutzer mit ATT davor schützen selbst zum Produkt zu werden. Bereits vorher konnte man in den Einstellungen das Tracking von Apps abstellen. Jedoch war dies kaum bekannt unter den Nutzern und man musste es erst mühsam suchen.

Die Werbe-ID

Mit dem neuen Update wird dieses nun viel offensichtlicher, da vor dem Verwenden die App um Erlaubnis fragt zu tracken. Bisher hat jede App automatisch eine Nummer bzw. Werbe ID zu jedem Nutzer bekommen, mit der sie Informationen sammeln konnten. Diese Werbe ID bleibt pro Nutzer für jede App gleich. Mit dem ATT Update von Apple bekommt jeder Nutzer die selbe Nummer und somit können Apps keine Informationen mehr gezielt ansammeln. Erst durch die Zustimmung des Nutzers bekommt die App die individuelle Werbe ID.

Die Zustimmung erfolgt indem vor der Nutzung der App ein Popup erscheint, indem man zustimmen oder ablehnen kann. Dies ist zu vergleichen mit dem bereits vorhandenen Popup indem gefragt wird ob man bei einer App die Nutzung der Galerie, der Kamera oder des Mikrofons zulässt. Das Popup wird nicht bei jeder Verwendung erscheinen, sondern nur bei neuen Updates oder bei dem installieren einer neuen App. Apps mit Sicherheitssystemen wie beispielsweise die Sicherheit von Konten in Bankapps sind von dem Update ausgeschlossen, um auch weiterhin diese Sicherheit zu garantieren. Wenn man möchte könnte man in den Einstellungen unter Tracking-Einstellungen diese Funktion auch abschalten. Bereits nicht zugelassen Apps fragen nicht mehr nach Zulassung.

Ändert man seine Meinung jedoch, kann man dies in den Einstellungen unter Datenschutz ändern. Apple möchte somit ein Sicherheitsgefühl vermarkten, obwohl Apple selbst immer Tracking betreiben kann und sich somit selbst ausschließt. Falls Apps dieses Update umgehen wollen werden diese oder ihre Updates nicht mehr im AppStore angezeigt.

Jedoch können Apps wie Facebook noch immer Daten von Nutzern auf ihren Plattformen (wie Facebook selbst oder WhatsApp) ansammeln. Um auf andere Apps oder Websites Aktivitäten nach zu verfolgen
müssen sie ab sofort um Erlaubnis bitten. Werbung wird durch ATT nicht verboten sondern allgemeiner und nicht mehr personalisiert. Kostenlose Apps nehmen ihre Einnahmen durch Werbung oder Vermarktung von Daten ein und durch ATT sehen viele das Risiko darin, dass Datenschutz teuerer werden könnte. Um weiterhin mit dem Update die gewöhnlichen Einnahmen zu generieren könnten kostenlose Apps in Zukunft kostenfällig werden.

Kritik

Viele große Konzerne wie beispielsweise Facebook kritisieren dieses Verhalten und das neue Update. Facebook befürchtet dadurch Milliarden an Verlusten und argumentiert auch damit, dass kleinere Unternehmen dadurch weniger Umsätze machen könnten. So seien diese von personalisierter Werbung anhängig.

Facebook sieht sich in der Verantwortung das freie Internet zu schützen und leitet Kampagnen gegen das Update mit kleinen Unternehmen. Viele sehen dort jedoch eine Instrumentalisierung kleinerer Unternehmen von Facebook, um den Umsatz für Facebook zu halten. Facebook sagte selbst, dass sie die Abstimmung der Nutzer respektierten werden, jedoch wollen sie auch aufklären, dass man mit einer Zustimmung kleinere Unternehmen unterstützen würde. Bereits in Deutschland haben mehrere Verbände, unter anderen auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger beim Bundeskartellamt Beschwerde eingelegt. Ihr Vorwurf ist, dass Apple mit ATT gegen das Kartellrecht verstoße und seine Macht auf dem Markt ausnutze. Somit würde Apple alle Wettbewerber bei Applenutzern ausschließen. Bereits spekulieren viele ob Apple auch mehr in den Verkauf von Daten investieren wolle. Jedoch kritisiert Apple CEO Tom Cook dies zutiefst bei Facebook CEO Mark Zuckerberg oder anderen Konzernen.

Fazit

Einerseits möchte Apple durch das Update seinen Nutzern mehr Transparenz bieten, da sich bislang nur die wenigsten mit dem Schutz ihrer Daten auseinander gesetzt haben und das Tracking bewusst einschränken. Durch das neue Popup von Apple wird Tracking  offensichtlicher und wird nun auch aktiv an den Nutzer gebracht. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass viele Nutzer diese Möglichkeit nutzen werden und das Tracking deaktivieren werden. Andererseits hat Apple selbst immernoch alle Möglichkeiten des Trackings und nimmt sich selbst. Es bleibt spannend wie sich die Diskussion entwickelt.

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